
Bei UV-Tinten für Kunstfliesen verwenden wir Tinten mit hohem Anteil an festen Stoffen. Anschließend werden diese Tinten mit einer Lampe bestrahlt, um einen glänzenden, glasähnlichen Effekt zu erzielen. Wenn die Lampe blaues Licht abgibt, handelt es sich dabei nicht nur um ein kosmetisches Aussehen – es handelt sich um ein spektrales Signal. In einer Mitteldruck-Quecksilberdampflampe stammt das sichtbare Blau von Quecksilberlinien im Bereich von 435–450 nm. Die eigentliche Wirkung findet jedoch im UV-Bereich statt: 365 nm sorgt für eine tiefe Vernetzung der Moleküle, während 313 nm und 254 nm zur Aushärtung der Oberfläche sowie zur Zersetzung der Photoinitiatoren beitragen. Das Verhältnis dieser Wellenlängen – und nicht die Gesamtleistung der Lampe – bestimmt letztendlich, ob es zu einem glasähnlichen Überzug oder zu einer klebrigen Oberfläche kommt.
Was wirklich wichtig ist, ist die spektrale Leistungsverteilung sowie die Intensität der Strahlung am Substrat. Bei UV-Tinten für Kunstfliesen nutzen wir 365 nm als primären Treiber für die Vernetzung der Moleküle sowie für die Haftung der Tinte. Gleichzeitig passen wir die Dichroikbeschichtungen des Reflektors so an, dass überschüssiges langwelliges Infrarotlicht unterdrückt wird – schließlich kann dieses Licht keramikbeschichtete Substrate beeinträchtigen. Man kann mit einer Spitzenintensität von 800–1200 mW/cm² rechnen, gemessen mit einem kalibrierten Radiometer direkt auf der Druckoberfläche. Diese Energiedichte – meist zwischen 500–800 mJ/cm² – führt dazu, dass eine vollständig polymerisierte, trocknungsfreie Schicht entsteht. Dadurch entsteht ein hochglänzender, widerstandsfähiger Überzug, der wie ein echter Glanz aussieht.
Der Grund, warum dies funktioniert, liegt darin, dass die 365-nm-Wellenlänge der Lampe mit den Photoinitiatorinnen in den pigmentierten, hochdeckenden Beschichtungen übereinstimmt. Dadurch kommt es zu einer schnellen Vernetzung der Moleküle, ohne dass die Fliesen überhitzt werden. In der Praxis bedeutet das eine sofortige Stapelbarkeit der Fliesen, eine geringere Energieaufwendung pro Fliese sowie einen konstanten Glanz von Durchlauf zu Durchlauf. Mit der richtigen Abstimmung der Lammlänge sowie der Pflege des Reflektors erreichen wir in der Regel eine Lebensdauer der Lampe von 1000–1500 Stunden bei 100%iger Leistung, bevor die Intensität bei 365 nm unter den Schwellenwert der Tinte fällt.
Ein paar Dinge, die man unbedingt beachten muss: Ozongefreie Quarzkörper sowie die richtige Entfernung zwischen der Lampe und dem Substrat. Wenn die Lampe zu nahe am Substrat steht, steigt die Oberflächentemperatur – dadurch können mikroskopische Risse in den glasierten Fliesen entstehen. Wenn die Lampe zu weit entfernt ist, sinkt die Spitzenintensität – dadurch bleiben unvernetzte Photoinitiatoren zurück, was den Glanz verringert. Die spektrale Leistung der Lampe muss daher mit dem Spektrum der Photoinitiatoren in der Tinte abgestimmt werden – und zwar mittels spektraler Messmethoden, nicht nur anhand der Lampenleistung.